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Straßenbäume tun gut und haben’s schwer
Positive Effekte trotz schlechter Bedingungen

 

Bäume sind uralte Begleiter des Menschen. Für unsere Urahnen waren Bäume überlebenswichtig, lieferten sie ihnen doch das Material für Werkzeuge und zum Feuermachen. Außerdem wussten unsere Urahnen, dass ihnen Bäume Schutz, Schatten und Nahrung geben. Kein Wunder also, dass die Bedeutung von Bäumen tief in unserem Unterbewusstsein verwurzelt ist. Auch wenn der moderne Mensch die Bäume nicht mehr für diese Zwecke braucht, ihre Bedeutung für unser Leben ist immer noch sehr hoch.

 

Vom Glück, ein Hausbaum zu sein

 

In jedem Garten sollte mindestens ein Baum stehen. Das ist nicht nur für die Gartenbesitzer eine Freude, sondern auch für den Baum ein Glücksfall. Denn weit weniger angenehm als im Garten ist es für Straßenbäume.

Der Hausbaum wurde vom Gartenbesitzer mit Bedacht ausgewählt, um seinen Garten zu verschönern. Deshalb wird er gepflegt, regelmäßig geschnitten, gedüngt und gewässert. Die Wurzeln des Hausbaums haben genug Platz im Garten und können sich ausbreiten. Beschädigungen der Rinde muss der Hausbaum auch nicht fürchten, denn sein Besitzer achtet darauf, dass niemand etwas hineinschnitzt und vor sonstigen Einflüssen durch den Straßenverkehr ist der Hausbaum ohnehin geschützt. Insgesamt also ideale Voraussetzungen, um gesund, stark und sehr alt zu werden.

 

Hölzerne Helden für unser Wohlbefinden

 

Das Leben eines Straßenbaums sieht völlig anders aus. Zwar wurde auch er mit Bedacht ausgesucht, aber meist weniger aus ästhetischen, als eher aus funktionalen Gründen. Die Aufgaben, die ein Straßenbaum erfüllen muss, sind vielfältig. Er soll Schadstoffe aus der Luft filtern, vor allem in innerstädtischen Bereichen Schatten spenden und den Lärm reduzieren, die Luftfeuchtigkeit erhöhen, Sauerstoff produzieren und dabei gleichzeitig Kohlendioxyd binden sowie in engen Straßenräumen die Windgeschwindigkeiten verringern. Seine Lebensbedingungen sind jedoch teilweise denkbar schwierig. Oftmals steht ihm nur eine mehr oder minder große Baumscheibe für die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen zur Verfügung. Die Wurzeln eines Straßenbaums haben häufig nur wenig Platz, um sich im Boden auszubreiten, weil Rohrleitungen, Fundamente und andere Hindernisse sie daran hindern. Der ihn umgebende verdichtete Boden erhöht zugleich den pH-Wert und heizt sich unter starker Sonneneinstrahlung auf. Bei heißen Temperaturen wird er, wenn überhaupt, nur unregelmäßig gewässert und als ob das noch nicht genug wäre, muss mancher Straßenbaum auch noch als „Stammbaum“ für Hunde herhalten und im Winter das Streusalz ertragen. Je nach Standort ist der Straßenbaum zusätzlich noch mechanischen Gefahren durch Autos oder Vandalismus ausgesetzt. Alles das beschert dem Straßenbaum eine Lebenserwartung, die deutlich unter der eines Hausbaums liegt. Da nicht jeder Baum die schwierigen Anforderungen, die an einen Straßenbaum gestellt werden, gleichermaßen gut erfüllt, bündelt die Gartenamtsleiter-Konferenz (GALK) beim Deutschen Städtetag die in der täglichen Praxis gesammelten Erfahrungen in einer Liste geeigneter Straßenbäume. Die deutschen Baumschulen orientieren sich an dieser Liste und kultivieren bevorzugt die Bäume, die darin genannt sind. Damit stellen die Baumschuler sicher, dass auch in Zukunft Straßenbäume unser urbanes Leben angenehmer machen. Vielleicht denken wir ja beim nächsten Mal, wenn wir einen Straßenbaum sehen, daran, dass diese hölzernen Helden ein schweres Leben führen, um unser Arbeits- und Wohnumfeld und damit unser Wohlbefinden zu verbessern.

BdB