Corona Vorsorge – Baumschulen bringen sich konstruktiv ein

 

München, 26. März 2020: Selbstverständlich ist es nachvollziehbar, dass gesundheitliche Aspekte gegenüber wirtschaftlichen Überlegungen Vorrang haben. Der BdB Landesverbandes Bayern hat dem Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gegenüber auf die besondere Situation der Baumschulen hingewiesen und umfangreiche Vorsorgemaßnahmen vorgeschlagen, die einige Betriebe in einem gesamtheitlichen Hygienekonzept bereits vor der Ausgangssperre freiwillig umsetzten:

 

1.) Beschränkung der Kundenzahl:

        • Einlassempfehlung nur für Einzelkunden: keine Familienausflüge
        • überschau- und kontrollierbare Limitierung der Kundenzahl im Markt: Endverkaufsbaumschulen verfügen in der Regel über weitläufige Verkaufsgelände, auf denen die Kunden zueinander deutlich mehr Abstand halten können als z.B. im Lebensmitteleinzelhandel. In der Regel stehen jedem Kunden mindestens 50 m² zur Verfügung. Dies ermöglicht deutlich größere Abstände als von die politisch diskutierten 20 m².

2.) erweiterte Sicherheitsabstände von mindestens 2 Metern

Corona-VorsorgeCorona-VorsorgeFoto: EHB

3.) Der Verkauf und die Beratung in Baumschulen findet zu einem erheblichen Teil im Freien statt, wo eine Ansteckung nach Ansicht von Virologen nahezu ausgeschlossen werden kann, sofern Mindestabstände zu anderen Personen eingehalten werden.

 

4.) Beschilderung über innerbetriebliche Vorsorgemaßnahmen mit Verhaltensregeln während des Einkaufes

 

5.) Reinigung, Desinfektion und Bereitstellung von Schutzmaterialien

 

Die von der Politik beschlossen Maßnahmen stellen für die bayerische Baumschulwirtschaft eine akute Existenzbedrohung dar, weil der Pflanzenverkauf nur in einem sehr begrenzten Zeitfenster (bevor die Gehölze austreiben oder dann wieder ab Laubfall) stattfinden kann. Viele bayerische Baumschulen haben einen  Lieferservice eingerichtet. Allerdings bedeutet dies einen sehr hohen Krafteinsatz bei deutlich geringeren Umsätzen. Neben den bisherigen Umsatzeinbrüchen in der Hochsaison müssen die bayerischen Baumschulen weitere Verluste wegen zusätzlichem Aufwand und der Vernichtung von Kulturen hinnehmen. Verkaufsreife Gehölze sind verderblich, da sie nur in seltenen Fällen weiterkultiviert oder eingelagert werden können. In der Baumschule gibt es folgende Verkaufsformen:

 

a) Wurzelnackte Pflanzen: Diese können nur bis zum Ende des Frühjahrs verkauft und gepflanzt werden, danach nicht mehr und sie sind wertlos.

 

 

b) Ballenpflanzen: Mit steigender Assimilationsrate der Pflanzen können Ballenpflanzen kaum mehr auf den Anzuchtfeldern gegraben werden. Nach dem sehr milden Winter 2019/2020 und vielen warmen Frühlingstagen sind die Gehölze in diesem Jahr deutlich früher ausgetrieben. Im Frühsommer 2020 wird es für eine Rodung zu spät sein, dann werden in vielen bayerischen Baumschulen Ballenpflanzen auf den Äckern unverkauft stehengeblieben sein. Für den Herbst 2020 wächst bereits der nächste Jahrgang heran, der dann vermarktet werden muss. So bleibt nur die Vernichtung der überständigen Ballenpflanzen.

 

 

c) Gehölze in Töpfen: Wenngleich diese grundsätzlich ganzjährig verkauft und gepflanzt werden können, stammen die aktuell zu verkaufenden Baumschulpflanzen aus der Topfung des letzten Jahres 2019. Ab dem Frühsommer werden die Wettbewerber der hiesigen Baumschulen frisch herangewachsene Pflanzen aus der diesjährigen Topfung 2020 anbieten, dann wollen die Kunden keine überständigen bayerischen Gehölze.

 

Seit der Schließung der Bau- und Gartenmärkte bedient der LEH dieses Segment zwischenzeitlich neben dem Online-Handel nahezu konkurrenzlos. So wird neben der aktuellen Krise für die genannten Fachhändler auch ein mögliches, gleichberechtigtes Nachgeschäft nach der Krise zerstört und die Spezialisten werden doppelt benachteiligt. Bei unveränderter Fortführung der bisherigen Maßnahmen in Bayern wird es zu schwerwiegenden, wirtschaftlichen Verwerfungen zugunsten des LEHs und großen Online-Händlern wie Amazon kommen.

 

Im Grenzgebiet zu den benachbarten Bundesländern kommt es trotz Kontrollen zu einem regelrechten Einkaufstourismus, da dort die Gartenmärkte geöffnet sind. Seit 26. März 2020 erlaubt auch Österreich den gärtnerischen Endverkaufsbetrieben wieder die Geschäftsöffnung, nur die bayerischen Betriebe sind außen vor.  Es findet eine erhebliche, wirtschaftliche Benachteiligung bayerischer Betriebe statt. Die Menschenansammlungen durch die bayerische Kundschaft in den Grenzgebieten stellen nicht nur für die dortige Bevölkerung ein zusätzliches Risiko dar, sondern – nach der Rückkehr nach Bayern - auch für hiesige Bürger. Mit einer Wiederöffnung der hiesigen Endverkaufsbetriebe der bayerischen Baumschulwirtschaft wäre es möglich, den Ansturm von Kunden auf den LEH sowie auf Betriebe in den benachbarten Bundesländern zu verringern.

 

Die heimischen, bayerischen Gartenmärkte tragen durch den Verkauf von Saatgut und Nutzpflanzen (Gemüse, Obstbäume und Sträucher), die im Haus oder im Garten kultiviert werden, einen nicht unerheblichen Teil zur Lebensmittelversorgung bei. Dies gilt sowohl für die ländlichen Gebiete als auch für die Städte. Je nachdem, wie lange die Krise noch andauert, könnte die Eigenversorgung der Bevölkerung in der Zukunft wieder ein wichtiger Faktor werden. Hierbei spielen unter anderem Obstbäume und -sträucher eine wichtige Rolle. Diese können jedoch nur erntbare Früchte tragen, wenn die Pflanzen mit entsprechendem Vorlauf vorher gepflanzt werden. Die bayerischen Baumschulen haben Obstgehölze in regionalen Sorten herangezüchtet und können diese der hiesigen Bevölkerung anbieten. Darüber hinaus vertreiben die meisten der im Endverkauf tätigen Baumschulen auch Gemüsejungpflanzen. Die Beschäftigung mit Pflanzen ist eine sinnvolle Tätigkeit zu Hause auf dem Balkon, der Terrasse und im Garten. Eine Öffnung der hiesigen Verkaufsstätten für Pflanzen könnte auch einen Beitrag zur Entspannung und Beruhigung der verunsicherten Bürger leisten.