Klimaschutz - Gehölze sind Problemlöser

 

 

München, 03. Februar 2022


Die neue Bundesregierung, die sogenannte „Ampelkoalition“ ist seit einigen Wochen im Amt und es zeichnet sich ab, dass sie den Klimaschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt als Maßstäbe ihres politischen Wirkens implementieren möchte, denen sich die übrigen politischen Themenfelder unterzuordnen haben. Auch die Bayerische Staatsregierung will eine Änderung des Bayerischen Klimaschutzgesetzes vornehmen, um Bayern schneller klimaneutral zu machen. Zu diesen hoch ambitionierten Zielen bieten die Baumschulen ihre Hilfe an und möchten sich mit nach folgenden Gedanken konstruktiv einbringen.

Klimaschutz - Gehölze sind ProblemlöserKlimaschutz - Gehölze sind ProblemlöserFoto: BDB

 

Baumschulen gehören zweifelsfrei bereits jetzt mit zu den Hauptbetroffenen des Klimawandels. Schon heute sind erhebliche Auswirkungen feststellbar, die das Risiko klimabedingter Schäden steigen lassen (Dürre, Sturm, Starkregen, Hagel). Zusätzlich wandern invasive Krankheitserreger und Schädlinge ein, die die Klimaproblematik in unserer Region weiter verschärfen. Damit wird die Anzucht der mehrjährigen und hochwertigen Spezialkulturen gefährdet. Dabei könnten gerade diese einen erheblichen Beitrag leisten, nicht nur hinsichtlich mehr Biodiversität und dem Insekten- bzw. insbesondere  dem Bienenschutz, sondern insbesondere um die Klimaveränderungen abzumildern.

 

Die aktuelle Klima-Debatte beschäftigt sich vorrangig mit der Verringerung des CO2-Ausstoßes, sei es durch verbesserte Technik oder Gebührenerhebung. Eine weitere Möglichkeit, die Klimabilanz zu verbessern, kommt häufig zu kurz oder wird gar nicht erwähnt. Anders als andere Wirtschaftsgüter können Baumschulen mit ihren kultivierten Bäumen und Sträuchern helfen, CO2 aus der Atmosphäre zu entnehmen und auf natürlichem Wege über unsere Wälder, Gehölze in der freien Landschaft, in der Stadt, im öffentlichen Grün oder im Privatgarten zu speichern. Durch ihre Verdunstung können Gehölze ferner für Kühlung sorgen (Baumschatten angenehmer als Hausschatten).

 

Nach Ansicht des BdB Landesverband Bayern e.V. (BdB) ist der Holzbau sicherlich die dauerhafteste Form der CO2-Bindung. Aber auch mittelfristig sorgt jeder zusätzliche oder ersetzte Baum dafür, den Klimawandel abzumildern. Selbst als regional gewonnenes Brennmaterial kann Holz noch energieintensiv hergestellte Produkte und fossile Rohstoffe ersetzen.

 

Durch die Vorschläge der Bayerischen Staatsregierung für ein neues Klimaschutzgesetz sowie dem Maßnahmenpaket „Klimaschutzoffensive“ schickt sich die bayerische Politik nun an, langjährige Forderungen des BdBs aufzugreifen. Der vor kurzem beschlossene Streuobst-Pakt, war ein erstes Zeichen dafür, dass es Bayern ernst meint mit seinen anerkennenswerten Zielen. Weitere Beispiele dafür wären die Umsetzung bereits der angekündigten Programme zum Aufbau klimastabiler Wirtschaftswälder oder zur vermehrten Holznutzung im Baubereich. An einigen Stellen geht man aus Sicht der Baumschulen jedoch nicht weit genug. Deshalb fordert der BdB von der Bayerischen Staatsregierung:

 

1) ein klares Bekenntnis der Politik zur Förderung der Biodiversität, Insekten-/Bienenschutz sowie insbesondere zum Klimaschutz mit noch deutlich verstärkten Anstrengungen zur Anpassung an den Klimawandel

 

2)  finanzielle Anreize und Honorierung von Klimaschutzleistungen durch eine vermehrte Pflanzung von Gehölzen im Wald, in der Stadt, in der freien Landschaft, im öffentlichen Grün und in Privatgärten

 

3) 100 % zweckgebunden Verwendung von CO2 -Abgaben erzielten Erlösen in Maßnahmen zur CO2 Bindung

 

4) Verpflichtung bei allen Neubauten 5 % der Bausumme für Grün zu verwenden

 

5) Schaffung ökologisch wertvoller Feldraine

 

6) die Einbindung des baumschulerischen Berufsstands bei der Entwicklung von Klimaschutzmaßnahmen

 

7) bei bekannten Zielkonflikten ein gemeinsames Erarbeiten von ausgewogenen Lösungen mit den Baumschulen

 

8) eine Zusage für Baumschulen zur weiteren Ermöglichung der wirtschaftlichen Nutzung von natürlichen Wasservorkommen, um die Gehölzkultur unter Einsparung weiterer Ressourcen und Hilfsstoffen zu ermöglichen

 

9) die Anerkennung der Sonderrolle der Baumschulen

 

10) Ausweitung der Forschung & Sicherstellung der Ausbildung beginnend von Lehrlingen, Meistern bis hin zur universitären Ausbildung

 

11) Zukunftsperspektiven für wirtschaftende Betriebe mit Innovationsprogrammen zur Digitalisierung und zum Pflanzenschutz


Beim Einkauf bedient sich insbesondere die öffentliche Hand teils immer noch des billigsten Anbieters. Nachhaltigkeit endet bisher beim Staatsäckel. Hier müssen die politisch Verantwortlichen liefern und ein Umdenken herbeiführen, das zu mehr Nachhaltigkeit führt.

 

Lebendiges Grün ist das grüne Fundament unserer Gesellschaft muss endlich den Stellenwert bekommen, dem es gesellschaftlich und umweltpolitisch gebührt. Gesellschafts­politisch haben Greta Thunberg & Co schon viel bewegt. Demnach sollte die Bevölkerung auch bereit sein und Verständnis für nachvollziehbare Klimaschutzmaßnahmen haben, selbst wenn damit finanzielle Belastungen jedes Einzelnen einhergehen könnten. Politiker und sonstige Entscheidungsträger sollten diese einmalige Gelegenheit nutzen, über Legislaturperioden hinaus an nachfolgende Generationen denken und sich einsetzen für „mehr Grün“ einsetzen. Es gilt dafür Sorge zu tragen, dass die grüne Infrastruktur auch regional produziert wird. Bayerns Baumschulen leisten täglich ihren Beitrag für noch mehr Klimaschutz und können mit ihren Gehölzen Teil der Lösung sein. Es geht jetzt darum, die politischen Weichen so zu stellen, dass Baumschulen ihre Aufgabe als Problemlöser ermöglicht. Dafür braucht es unternehmerische Perspektiven sowie weitere Investitionen in die Wissenschaft.